Informatiker braucht das Land - aber woher?
Die Eröffnungsrede von Bundeskanzler Schröder anlässlich der CeBIT 2000 in Hannover entfachte eine kontroverse Diskussion. Deutschland braucht qualifizierte Fachkräfte im Bereich Informations- und Kommunikationstechnologie (IuK) - so viele, dass dieser Bedarf nicht durch deutsche oder EU-Fachkräfte abgedeckt werden kann.
Die Fachgruppe „Informatik und Dritte Welt" der Gesellschaft für Informatik (GI) nimmt zur derzeitigen Debatte um Informatik-Fachkräfte aus Nicht-EU-Ländern im Bereich IuK in Deutschland wie folgt Stellung und ergänzt somit die Pressemitteilung der GI vom 25.02.2000:
Der Internet-Boom soll nicht nur als ein ökonomischer Fortschritt betrachtet werden, sondern auch auf kulturelle, politische, ethische und ökologische Probleme hinweisen.
Die Wirtschaft soll die Bildung und Ausbildung stärker finanziell unterstützen, und mehr Ausbildungskapazitäten schaffen, damit rasch Nachwuchs auf den Arbeitsmarkt kommt.
Für die neuen Fachrichtungen und die neuen Berufe im Bereich IuK sollen Gastdozenten aus dem Ausland eingeladen werden.
Es gilt, die investierten Mittel (jährlich etwa. 100 000 DM pro Studienplatz) an ausländische Studierende aus Nicht-EU-Ländern an deutschen Hochschulen ernst zu nehmen.
Kehren diese ausländischen Studierenden nicht in ihre Herkunftsländer zurück, hat das Herkunftsland nichts davon und Deutschland hat somit nicht einmal einen Beitrag zur Entwicklungspolitik geleistet.
Für Informatik-Absolventen aus Nicht-EU-Ländern, die nicht nach Hause zurückkehren wollen oder können, aber in Deutschland bleiben möchten, sollen die entsprechenden Rahmenbedingungen für den deutschen Arbeitsmarkt geschaffen werden.
Damit kann Deutschland einen Teil des Fachkräfteproblems im Bereich IuK lösen und schlägt gleichzeitig Brücken zwischen den Kulturen, Wirtschaften und Wissenschaften der Nicht-EU-Länder.
Ansprechpartner: Dr. Nazir Peroz,
Sprecher der Fachgruppe „Informatik und Dritte Welt" der GI,
TU Berlin, Fachbereich Informatik
Tel 030 314 27897, nazir(at)cs.tu-berlin.de
02. März 2000, Nazir Peroz
Gesellschaft für Informatik e.V.
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