Hochschulen und Wirtschaft müssen in der Informatik enger zusammenarbeiten
Wirtschaft und Wissenschaft tauschen im Bereich der Informatik immer noch zu wenig Forschungsergebnisse und Erfahrungen aus. Gegenseitige Vorurteile verhindern häufig eine Kooperation. Dabei ist der Wissenstransfer dringend notwendig und für beide Seiten erfahrungsgemäß sehr fruchtbar.
Diese Thesen vertrat Professor Dr. Gerhard Barth, Präsident der Gesellschaft für Informatik e.V. (GI), im Rahmen eines Festkolloquiums anläßlich des 30jährigen Jubiläums des German Chapter of the ACM (Association for Computing Machinery). Barth, der selbst in Industrie und Hochschule tätig war und heute Vorstandsmitglied bei SEL Alcatel ist, riet den Beteiligten zu "konstruktiven Doppelpässen". Nichts spreche dagegen, wenn Angehörige der Industrie sich eine Zeitlang beurlauben ließen, um Erfahrungen an den Hochschulen zu sammeln und umgekehrt.
Die Hochschulen sollten darüber hinaus konsequent das in der Wirtschaft übliche Leistungsprinzip übernehmen. Das schließe die Bewertung von Lehrveranstaltungen durch die Studierenden ebenso ein wie die Belohnung von erfolgreichen Bemühungen zur Einwerbung von Drittmitteln, der Errichtung von Sonderforschungsbereichen und der Förderung von Hochbegabten.
Barth plädierte auch dafür, Studierende besser auf die berufliche Praxis vorzubereiten.
"Ohne Teamfähigkeit, den richtigen Umgang mit Informatik-Werkzeugen, die Schulung von effektiven Präsentationstechniken und eine Internationalisierung der Ausbildung mit neuen Studienabschlüssen (Bachelor oder Masters Degree) können die Studierenden die Herausforderungen des Dritten Jahrtausends nicht meistern", erklärte Barth.
Der Wissenstransfer müsse endlich systematisiert werden und zwar durch die Einrichtung von Patentstellen, die professionelle Präsentation von Forschungsergebnissen der Hochschulen auf Messen und die Einrichtung von Marketingstellen. Besonderes Interesse habe die Industrie an der Entwicklung neuartiger Software, der Behandlung großer Datenmengen sowie an Ergebnissen zu Problemen, die mittelfristig auch im Rahmen von Diplomarbeiten oder Dissertationen gelöst werden können. Für alle diese Aufgaben müßten die "Schwellenangst vor der Kontaktaufnahme" sowie "überholte Vorurteile zwischen Universitäten und Industrie" abgebaut werden.
19. Oktober 1998, Jörg Maas
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