Informatik-Studiengänge für Frauen
Die Fachgruppe Frauenarbeit und Informatik in der Gesellschaft für Informatik e.V. hat zur Problematik des Fachkräftemangels eine Erklärung abgegeben und einen Forderungskatalog aufgestellt:
"Wir Fachfrauen aus der Informatik weisen nachdrücklich darauf hin, dass nur mit durchgreifenden Veränderungen im Bildungsbereich dauerhafte Lösungen erreicht werden können. Das größte Problem für die bundesdeutsche Gesellschaft liegt unseres Erachtens darin, dass die Hälfte des Bildungspotentials, nämlich die bestens ausgebildete Generation junger Frauen, bisher von diesen Zukunftsfeldern ausgeschlossen worden ist. Das betrifft sowohl die informationstechnischen Ausbildungsberufe wie auch das Hochschulstudium der Informatik.
Die Bundesregierung hat dies ebenfalls bereits im vergangenen Jahr im Aktionsprogramm zur Informationsgesellschaft festgestellt und weitreichende Veränderungsziele formuliert. Wenn sie den Anteil der Studienanfängerinnen im Informatikstudium bis zum Jahre 2005 auf 40% steigern will, so ist ein deutliches Reformsignal an die Frauen und an die Öffentlichkeit sowie an die Hochschulen notwendig.
Die Fachgruppe Frauenarbeit und Informatik in der Gesellschaft für Informatik fordert die Bundesregierung daher für den Hochschulbereich dringend auf, klare Schritte zur Umsetzung dieser Ziele zu unternehmen und kurzfristig ein Bundesprogramm "Reformstudiengänge Informatik für Frauen" einzurichten.
Eine Studienreform und damit eine curriculare Erneuerung in den Informatikstudiengängen ist mehr als überfällig. Folgende Eckpunkte sind daher für das Bundesprogramm notwendig:
- Grundständige Studiengänge Informatik nur für Frauen
- Beginnend an mindestens fünf Universitäten und mindestens fünf Fachhochschulen, anschließend flächendeckend in der ganzen Bundesrepublik Deutschland über Bund-Länder-Planungen
- Verankerung der Sommeruniversität Informatica feminale als flankierendes reguläres Studienangebot für Reformstudiengänge
- Inhaltliche und organisatorische Ausrichtung an den Interessen von Frauen:
- Anwendungsorientierung und Interdisziplinarität
- Solide fachliche und allgemeinwissenschaftliche Grundlagenausbildung
- Gründung neuer Fachbereiche mit Professorinnen, Wissenschaftlerinnen und Technikerinnen
- Neue Formen der Studienorientierung
- Erst- und Weiterbildungsstudium
- Praxisrelevanz
- Innovative, frauenfreundliche Studienorganisation
Wir sind davon überzeugt, dass durch diese neu zu schaffenden Strukturen zugleich ein deutlicher Impuls für Reformen auch in der koedukativen Informatikausbildung erzeugt wird. Nicht zuletzt kann die Einbindung der Industrie in diese Reformen die Gelegenheit bieten, ihren Anforderungen an qualitative und quantitative Verbesserungen des Fachkräftepotentials in der Informatik zu entsprechen."
Unterzeichnerinnen:
Fachgruppe Frauenarbeit und Informatik in der Gesellschaft für Informatik (GI) e.V.
sowie
Dipl.-Math. Corinna Bath
Dr.-Ing. Ulrike Erb
Dipl.-Inform. Brigitte Evertz
Dr. Gertrud Heck-Weinhart (Sprecherin der GI-Fachgruppe Frauenarbeit und Informatik) Dipl.-Inform. Doris Köhler
Dipl.-Inf. Ute Külper
Prof. Dr. Susanne Maaß
Dr. Friederike Nickl (stellv. Sprecherin der GI-Fachgruppe Frauenarbeit und Informatik)
Dipl.-Inform. Veronika Oechtering
Prof. Dr. Silke Seehusen
Dr.-Ing. Karin Vosseberg
Prof. Dr. Gabriele Winker
27.03.2000, Veronika Oechtering
Gesellschaft für Informatik e.V.
Ahrstr. 45
53175 Bonn
Tel 0228/302-145 (Geschäftsstelle)
Fax 0228/302-167
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