Internet-Kriminalität wirksam bekämpfen

Die jüngsten Entdeckungen von Kinderpornographie im Internet (Fall Zandvoort) haben Staub aufgewirbelt. Der Ruf nach Überwachung ist überlaut. Die Gesellschaft für Informatik e.V., mit 20.000 Mitgliedern Deutschlands größte Fachorganisation auf dem Gebiet der Informatik und Informationstechnik, weist eindringlich darauf hin, daß die Forderung nach schärferen Kontrollen durch die Betreiber wie AOL, Compuserve oder die Telekom technisch kaum erfüllbar ist. Wenn solche inhaltlichen Kontrollen tatsächlich verwirklicht würden, wären deren Auswirkungen auf die Kommunikation einschneidend, sie sei privater oder geschäftlicher Natur.

 

Rassistische Texte, pornographische Darstellungen und kriminelle Nachrichten durften in Deutschland bisher weder wahllos hergestellt noch verbreitet werden. Diese Einschränkung gilt in vollem Umfang auch für das Internet. Ebenso gilt aber, daß für Herstellung und Verbreitung solcher Inhalte der Verursacher zur Verantwortung zu ziehen ist, und nicht etwa derjenige, welcher die Werkzeuge für die Verbreitung anbietet.

 

Aufklärung und Bekämpfung von Straftaten im Internet sind dringend notwendig. Die GI plädiert dafür, die Strafverfolgungsbehörden mit allen gebotenen Mitteln dabei zu unterstützen, Täter auch dann aufzufinden und zu überführen, wenn sie sich der neuen Techniken bedienen. Dazu gehört insbesondere eine gezielte Ausbildung der Strafverfolger auf dem Gebiet moderner Informations- und Kommunikationstechnik und eine ausreichende technische Ausstattung der mit der Bekämpfung seit jeher betrauten Dienststellen. Neue Gesetze dagegen, Gesetzesverschärfungen oder gar neue Institutionen sind allerdings nach Ansicht der GI weder notwendig noch hilfreich.

 

31. Juli 1998, Rüdiger Dierstein/Jörg Maas

 

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