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Informatik-Lexikon

Fachbegriffe zu Informatik und deren Anwendung

Wir sind Informatik

Gregor Snelting

"Ich bin vor 30 Jahren in die GI eingetreten, weil das damals für Doktoranden selbstverständlich war...Heute ist die GI für mich ein unverzichtbarer Akteur im wissenschaftspolitischen Raum."

 

Albert Endres

Seit gut 40 Jahren bin ich GI-Mitglied. Davon entfallen 23 Jahre auf meine Zeit im Beruf, 17 Jahre auf die Zeit danach. Die Mitgliedschaft in der GI ist für mich sehr wichtig. Ich kann sie daher allen Kolleginnen und Kollegen aus der Praxis nur empfehlen.

Ich bin davon überzeugt, dass man als Fachexperte eine fachliche Heimat benötigt. Das gilt auch dann, wenn die Firma, für die man arbeitet, so groß und international verzweigt ist, dass man dort laufend mit vielen sehr kompetenten Fachleuten zusammenkommt. In der GI trifft man die Kolleginnen und Kollegen aus anderen deutschen Firmen und von Hochschulen und erfährt, was sie beschäftigt. Nur die GI bietet das nationale Forum, in dem Wirtschaft und Wissenschaft sich austauschen, wo über Struktur und Inhalte der Informatikausbildung diskutiert wird, wo auch gesellschaftspolitische Fragen angesprochen werden, und vieles andere mehr.

Wir Praktiker dürfen all diese Dinge nicht den Akademikern allein überlassen. Ich engagierte mich in der GI hauptsächlich im Fachbereich Softwaretechnik. Ich habe auch in einigen übergreifenden Projekten mitgewirkt, so beim Thema Fachinformation. Auch war ich einige Jahre lang FB-Sprecher und Präsidiumsmitglied. Für Praktiker ist die Teilnahme an Fachveranstaltungen nicht immer lohnend. Sie finden fast nur wochentags statt, wo man kaum Zeit hat. Außerdem behandeln sie nicht immer die Probleme, die uns Praktikern gerade auf den Nägeln brennen. Dafür bieten die Zeitschriften der GI und die verbilligten Tagungsberichte einen Ausgleich.

Während meiner Berufsjahre war ich bei der Firma IBM tätig, und zwar als Anwendungsprogrammierer, Rechenzentrumsleiter, Systemsoftware-Entwickler, Systemarchitekt und Projektleiter. Ich nahm eine Vielfalt von Führungsaufgaben wahr, unter anderem als Leiter des Bereichs Software-Entwicklung im Böblinger Entwicklungslabor. Daneben hatte ich einen Lehrauftrag an der Universität Stuttgart. Nach Ende meiner 35-jährigen Industrietätigkeit war ich noch vier Jahre lang hauptamtlicher Professor an der TU München. Durch die GI habe ich viele Kontakte geknüpft, die mir im Beruf und danach nützlich waren.

Obwohl ich Quereinsteiger bin, hat die GI mit dazu beigetragen, dass ich mich heute als professionellen Informatiker sehe. Was ich darunter verstehe, habe ich in Veröffentlichungen wiederholt dargestellt, unter anderem in einem im Jahre 2010 mit dem Kollegen Gunzenhäuser zusammen verfassten Büchlein "Schuld sind die Computer". Hier nur so viel dazu: Von einer Informatikerin oder einem Informatiker erwartet man fundiertes Wissen auf seinem Fachgebiet, also bezüglich der Grundprinzipien aller wichtigen Informatiksysteme und deren Anwendungsmöglichkeiten. Dieses Wissen muss mit der technischen Entwicklung Schritt halten. Kombiniert mit dem durch Erfahrung gewonnenen Können ist man dann in der Lage fachliche Leistungen zu erbringen, die professionellen Ansprüchen gerecht werden, d.h. auf die Nicht-Fachleute sich verlassen können. Die im Englischen übliche Bezeichnung ‚professional engineer‘ kommt dieser Auffassung nahe.

Schon während meines Ingenieurstudiums Mitte der 1950er Jahren habe ich erste Anwendungen aus meinem damaligen Fachgebiet (dem Vermessungswesen) programmiert. Die Entstehung der verschiedenen Programmiersprachen erlebte ich zunächst als Anwender, ehe ich mich mit der Entwicklung von Übersetzern, Betriebs- und Datenbanksystemen befasste. Eine neue Stufe erreichte meine fachliche Weiterbildung durch eine Promotion in Informatik, und zwar 15 Jahre nach meinem Berufseintritt. Mein Thema war die Verifikation von Programmen. Da das Streben nach übermenschlicher Intelligenz und totaler Sicherheit von Informatiksystemen sich immer mehr als Utopie oder Flop erweist, müssen Informatikerinnen und Informatiker realistische Erklärungsmodelle (‚Erzählungen‘ nennt dies die postmoderne Philosophie) entwickeln darüber, wo die Stärken und Schwächen unserer Systeme liegen, und diese in der Öffentlichkeit vertreten.

Es ist schön, dass die Informatikausbildung Wissenschaftlichkeit und Verantwortungsbewusstsein fördert und fordert. Lernen sollten Informatiker aber auch, dass dies nur rein virtuelle Tugenden sind, wenn nicht innovative Geschäftsmodelle und unternehmerischer Mut die reale Grundlage für selbstverantwortliche Tätigkeiten schaffen.

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